Würzburger Philharmoniker begeistern mit Beethovens “Pastorale” – Starke Solistin bei Elgar-Konzert

Beethoven ist die beste Vorsorge gegen Betulichkeit. Der erste Eindruck des mehr biederen als frühlingsfrischen Titels seiner Sinfonie Nr. 6 („Pastorale“) verkehrt sich ins Gegenteil, sobald der erste Ton erklingt. Hier war ein Naturfanatiker am Werk, den das frische Grün rund um Wien nicht ins Säuseln, sondern in Ekstase geraten ließ.

Mit dem „Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“ gab das Philharmonische Orchester Würzburg unter Enrico Calesso kitschigen Naturimpressionen und springenden Hirschlein den Laufpass und versprühte das freudige Vibrieren, das uns am ersten Frühlingstag überkommt – wie am Tag dieses Frühjahrskonzerts im Mainfranken Theater. Ebenfalls wenig mit naiver Naturverherrlichung hat Beethovens 2. Satz, die „Szene am Bach“, zu tun, die dank Calesso und seinen Musikern empfunden und echt klang, engagiert und gleichzeitig innig musiziert.

Das Frühlingsmotto macht die „Pastorale“ zum akustischen Laufsteg für Holzbläser und Hörner. Hirtenflöten, Vogelstimmen und Jagdhörner waren in dieser Jahreszeit damals offenbar häufig zu hören. Dem stellten sich die Bläser ausnahmslos mit guter Intonation sowie musikalischem Engagement und perfekt einstudiertem Wechselspiel bei den Solostellen, sei es in Klarinette, Fagott, Oboe, Flöte oder in den Hörnern. Die ländliche Feier fand quasi auf der Bühne statt, Gewitter und Sturm wurden nicht geschildert, sondern zeitgleich produziert und emotional erlebt – mit grell zuckenden Blitzen in den Geigen und Donnergrollen der tiefen Streicher.

War die Ouvertüre der Schubert‘schen Schauspielmusik „Rosamunde“ in der ersten Konzerthälfte anfangs noch etwas blass, sorgte die Cellistin Tatjana Vassiljeva danach für baldige Besserung.

In Edward Elgars hochromantischem Cellokonzert e-Moll und – als Zugabe – einem zauberhaft leicht und behände gespielten Präludium aus Johann Sebastian Bachs 1. Cellosuite zeigte die Russin ihre ganze Musikalität und Phrasierungskunst und dazu die sympathische Eigenart, immer wieder lächelnd Kontakt zu Dirigent und Orchester zu suchen. Der Frühling hatte am Donnerstag vor vollem Haus auch musikalisch Einzug erhalten.

Katja Tschirwitz, Mainpost 27.04.2012

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